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![]() 75 Jahre Gelmerhütte Jubiläums-Rückblick Feier zum Jubiläum 75 Jahre Gelmerhütte des Schweizer Alpenclub Sektion Brugg. Schon Wochen vor dem Fest versammelten sich die Mitglieder des Organisations-Komitées für das Jubiläum an einigen Sitzungen. Alles wurde besprochen, vieles erwogen. Und immer wenn jemand sagte, was machen wir bei schlechtem Wetter, hiess es: "Das Wetter wird schön sein am 4. und 5. August." Nun ist unser Fest vorbei, das Wetter war nicht so ganz wie wir es wünschten! Aber beginnen wir von vorn: Geplant war die Anreise zu unserer Hütte auf 2412 m Höhe im Grimselgebiet als Sternmarsch: 14 sogenannte "Werktagswanderer", meist pensionierte Clubmitglieder, die jeweilen am Donnerstag auf Touren gehen, stiegen bereits am Freitag auf der Normalroute von Chüenzentännlen gemächlich zur Hütte; noch trocken trotz drohenden Wolken und leichtem Donnergrollen. Der Regen begann erst am Abend, als man gemütlich in der Hütte sass. Die 15 Hochtouristen, welche mit unserem Präsidenten Herbert Küffer seit Montag bei anfänglich schönstem Wetter von Mauvoisin nach Zermatt über viele Gletscher zogen, erreichten am Samstagnachmittag bei einigermassen gutem Wetter, braungebrannt und bärtig und voll toller Erinnerungen an ihre Tourenwoche unsere Hütte. Die kleine Gruppe, welche über die Ostwand des Dammastockes und auf einem mehrstündigen Marsch über den Rhone- und Triftgletscher zur Diechterlimmi und über den Diechtergletscher zur Hütte gehen wollten, mussten ihr Vorhaben leider schon zu Hause aufgeben, denn der Wetterbericht liess keine solche Expedition zu. In alten Kleidern und Ausrüstungen (Nagelschuhe!) wollte eine Gruppe von 12 Clubmitgliedern unter Führung von Heinz Frei von der benachbarten Trifthütte über den Triftgletscher und die Diechterlimmi unsere Hütte erreichen. Dieses Vorhaben mussten sie leider frühmorgens in der Trifthütte abbrechen, stiegen wieder 1500 Höhenmeter ab zur Sustenstrasse, fuhren über Innertkirchen zur Handegg, mit der neu eröffneten Standseilbahn der Kraftwerke Oberhasli (KWO) zum Gelmersee und dann zu Fuss zur Hütte, wo sie gerade zur Jubiläumsfeier um 16 Uhr eintrafen. Das gab ein grosses Hallo bei den Anwesenden, wegen der zurückgelegten Leistung und natürlich auch wegen der "exotischen" Kleidung. Auch zwei Frauen waren dabei, charmant mit ihren grossen Hüten und den langen Röcken. ![]() Die Klettergruppe, welche auf dem Hinweg noch die beiden Gelmerhörner besteigen wollte und diejenigen, die von Guttannen mit 1900 Höhenmetern über das Ofenhorn zur Hütte wollten, kamen auf dem Normalweg zur Hütte, mehr oder weniger nass. Eine Gruppe von Senioren übernachtete vom Freitag auf den Samstag im Hotel Handegg und wäre gern zur Feier mit dem Helikopter zur Hütte geflogen. Aber der Heli konnte natürlich bei diesem Wetter nicht fliegen. Mit den auf dem normalen Hüttenweg aufsteigenden Clubmitgliedern kamen auch unsere eingeladenen Gäste samt Pfarrer. Ein Fest zum Hüttenjubiläum. Pünktlich um 16 Uhr konnte mit einem Apéro auf die unfallfreien Aufstiege und das Hüttenjubiläum angestossen werden. Trotz leichten Regen wurden die kurzen Festreden ins Freie verlegt. Unser Präsident, Herbert Küffer, begrüsste die ungefähr 90 Köpfe zählende Gästeschar mit launigen Worten. ![]() Die Nachbarsektionen von Brugg, vertreten durch Ueli Hügli von der Sektion Lindenberg, gratulierten uns und überraschten uns mit schönen Geschenken: 4 Thermoskrüge und eine Küchenwaage für die Hüttenküche sowie 2 Schweizerfahnen, eine davon in spezieller Ausführung für den Sonntag. Stadtrat Ueli Kalt, der mit der Stadtschreiberin von Brugg, Yvonne Brescianini zu unser Feier erschien, überreichte uns die Grüsse der Stadt Brugg. Selbst Mitglied unserer Sektion hat er viele Erinnerungen an das Gelmergebiet. Als Geschenk erhielten wir für unsere Junioren 6 Paar Schneeschuhe und von den Industriellen Betrieben, die natürlich auch von Ueli Kalt vertreten waren, Standplatzausrüstung für einen Klettergarten, der speziell für das Kinderbergsteigen geeignet sein wird. Dann stieg der "Schtollewurm us em Haslital", interpretiert von unserm Mitglied Willy Michel, Text von Franz Blum und Beni Bill, auf den grossen Granittisch und erzählte äusserst dramatisch Episoden aus der Geschichte der Hütte. ![]() Zum Beispiel dass es an der Einweihung vor 75 Jahren nicht nur schlechtes Wetter war wie heute, nein es hatte noch 25 Centimeter Schnee! Von den Widerständen gegen den Bau des ersten kleinen Elektrizitätswerkes bei der Hütte, Petrollicht sei doch viel heimeliger, aber das Petrol kommt doch von fernen Landen und die Wasserkraft fliesst gleich neben der Hütte. Einiges hat er von den Umbauten und Erweiterungen glossiert. Dann wurden wir in zwei Schichten zum Nachtessen gebeten, das uns unser Hüttenwartehepaar Ruth und Walter Schläppi mit den beiden Söhnen und der Hüttengehilfin Petra in gewohnt gepflegter Manier vorsetzte. Als alle gespiesen hatten, konnten wir uns alle in der Hütte niederlassen, eng zwar, denn wir waren immerhin etwa 90 Personen. Zwei Schyzerörgelispieler aus dem Haslital unterhielten uns, ein Wettbewerb wurde durchgeführt und der Gemeindepräsident von Guttannen, Hans Häfliger überreichte uns die Grüsse seiner Gemeinde, in deren Bann wir mit unserer Hütte Gastrecht haben. Für einmal wurde das Gebot der Hüttenruhe, 22 Uhr, ausser Kraft gesetzt und die letzten seien um 1 Uhr in ihre Lager gegangen. Es war natürlich recht eng, einige schliefen auf Matten in einem Materialraum oder vor der Hütte im Zelt. Ein Gottesdienst zum Abschluss der Feier. Zum sonntäglichen Gottesdienst
konnte Pfarrer Ivar Siffert aus Schwanden bei Brienz die anwesenden Bergsteiger
einladen. Noch nie hatte der junge Pfarrer so viele Zuhörer auf 2412
Metern Höhe. Die Lieder tönten gut in der Hütte, begleitet
von unsern Harmonikaspielern. Der Pfarrer dankte für das Vertrauen,
er sei ganz allein in die Hütte aufgestiegen und sei aber sofort
bei uns heimisch gewesen. Das Thema seiner Predigt, die er sehr humorvoll
aber auch besinnlich vortrug, war "Beziehungen". Man finde das
Wort kaum in der Bibel aber in jedem Klatschheft. Als Symbol für
die Beziehungen hielt er ein Bergseil in den Händen. Was bringt das
Seil dem Bergsteiger? Sicherheit aber auch Einschränkung in der Bewegungsfreiheit,
Rücksicht, Verantwortung. Aber ein Seil altert, ist nur wenige Jahre
brauchbar, vor allem nach Stürzen. Eine echte Beziehung werde immer
stärker. An Stelle des Wortes "Beziehung" stehe in der
Bibel "Bund", zum Beispiel Testamentum gleich Bund, alter Bund,
neuer Bund. Unterdessen wurde das Wetter schön, wir konnten ins Freie und unsern Gästen die schöne Umgebung zeigen. Die Sonne wärmte und ein kleines Mittagessen mit Suppe und Wurst nahmen wir auf unserer schönen Terrasse ein. Noch viel wurde geplaudert, neue Kontakte geschlossen und bald stiegen die ersten Gruppen wieder ins Tal. Einige benützten vom Gelmersee nach Handegg die Standseilbahn der KWO, offene Wagen mit einem Haltebügel um den man froh ist im steilsten Stück. Ist es doch mit 110° die steilste Bahn der Welt. Gut die Hälfte aller Teilnehmer fuhren mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nach Hause. Es war trotz dem nicht so ganz wunschgemässen Wetter eine schöne Jubiläumsfeier, die uns sicher noch lange in Erinnerung bleiben wird. Herzlichen Dank an alle, die in irgend einer Form an der Gestaltung beteiligt waren. Hansjörg Spillmann |








